| Russland |
Tausend & eine Kirche - Suzdal' IDieses Wochenende verbrachten wir – wider allen Erwartungen - nicht im Krizis Žanra, sondern in Suzdal', einer der 16 altrussischen Städte rund um Moskau, genannt der Goldene Ring. Am Samstag morgen ging es noch in Dunkelheit zum Busbahnhof um den Bus um 8:10 nach Suzdal' zu erreichen. Insgesamt waren wir 9 Leute: die KanadierInnen Marie-Michelle, Joelle, Emelie, Nikolas, Eric, Guillaume, der Amerikaner Robert, sowie Christian und ich. Die 6 Stunden im Bus wurden hauptsächlich schlafend verbracht. Erst nach 5 Stunden, bei der zweiten halbstündigen Pause in Vladimir, regten sich die Lebensgeister und der Bus wurde verlassen um Zuckerwasser mit Tee- oder Kaffeegeschmack zu genießen. Der sehr sovjetisch anmutende Busbahnhof wurde für seine umliegenden gold glänzenden Kuppeln bewundert (auch Vladimir gehört zum Goldenen Ring) und die Busse auf den größten ungefilterten Abgasausstoß untersucht. Wie gute RussInnen deckten wir uns noch mit Snacks ein, bevor die Reise weiterging. Nach einer guten halben Stunde wurden wir dann vom Buschauffeur mitten auf der Straße aus dem Bus geworfen, da wir angeblich schon Suzdal' erreicht hatten. Etwas verwirrt schauten wir uns mal um, erkannten nur weite Felder und mitten darin einen noch heruntergekommeneren Busbahnhof als jener in Vladimir.
- v.l.n.r.: Christian, Marie-Michelle, Joelle, Nik, Eric, Robert & Emelie am "Busbahnhof" von Suzdal' -
Von der Hoffnung getrieben nicht ausgesetzt worden zu sein, interpretierten wir den Bahnhof als den von Suzdal' und brachen in die Richtung auf, in der es am wahrscheinlichsten war Zivilisation zu finden. Schließlich erreichten wir nach einer halben Stunde den Hauptplatz von Suzdal'. Im XI. Jahrhundert war die Stadt Suzdal' nicht zuletzt wegen ihrer Rolle als Hauptstadt des Rostov-Suzdal'-Fürstentums und als Handels- und Handwerkszentrum eine der bedeutendsten Städte des Kiever Reiches. Geplündert und verbrannt unter den Mongolen, wurde die Stadt im 15. Jahrhundert Teil des Moskauer Reichs. Sie hatte zwar an politischer Bedeutung verloren, allerdings nicht an religiöser und kultureller. Vom XVI. bis zum XVIII. Jhdt. wurde in Suzdal' intensiv gebaut und es entstanden die bis heute erhaltenen Klöster und Kirchen. Die Bevölkerung von Suzdal' wurde im Laufe der Jahrhunderte von Feuern und Epidemien gebeutelt. Kaum ein großes historisches Ereignis der russischen Geschichte war nicht mit Suzdal' verbunden. Dennoch hatte das Städtchen Glück im Unglück, wurde nicht einmal zerstört und konnte sich immer wieder aufrappeln.
- Der Kreml' im Hintergrund der Ioanna Podtetschi Kirche -
Mit der Erkenntnis der Kommission für Kunstgedenkstätten und Antiquitäten im Jahre 1923, dass ganz Suzdal' ein einziges großes Museum ist, dessen Erhalt Kunst und Wissenschaft diktieren, erlangte die Stadt den Rang eines beliebten Ausflugsziels. Höhepunkt des touristischen Interesses waren die 70er des XX. Jahrhunderts – Schwärme von TouristInnen suchten die auf 9 km2 gelegenen 200 Kulturdenkmäler und architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt auf. 1992 wurden Suzdal''s Kreml', das Pokrovskij und Spaso-Evfimiev Kloster, sowie die Kirche Boris und Gleb schließlich in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.
- 30.11.2008 - Schreibe einen Kommentar
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