Beschreibung
Leben & Arbeiten für ein halbes Jahr in Kiev
Links
»
»
»
|
Home Sweet Home
Nun heißt es "ausgereist" - nämlich in der Bedeutung, dass in nächster Zeit keine Reisen mehr ansthehen. Mal sehen, wie lange Home Sweet Home mich binden kann ...

|
Geschrieben am: 11:41 AM, 16.6.2009 |
Kommentare (0) | Schreibe einen Kommentar | Link |
|
Давай-Lei-lei!
Nach den ersten Stunden in Kiev ging's am Montag dann weiter in den ersten Arbeitstag. In der Früh sah ich mich mit der Kiever Stoßzeit konfrontiert – das Abenteuer bestehtdarin, dass man sich wie Sardinen in einer Büchse eine gute Stunde in Trolleybus und Metro fortbewegt. Die Kunst ist die Mitreisenden weiter in das öffentliche Verkehrsmittel zu drängen um für sich selber Platz zu schaffen. Erreicht man keinen Griff, ist das weiter auch nicht tragisch, denn die Fahrgäste bieten sich in der Enge gegenseitig Halt, sodass umfallen schier unmöglich ist. Mit viel Geschick gilt es sich auch wieder rechtzeitig aus Bus und Metro zu drängen. Diese Freude, die so gut wie alle arbeitenden Menschen hier teilen, darf ich 2 Stunden – bei der Fahrt in und aus der Arbeit – am Tag genießen. Ohne Gedränge wäre es aber auch nur die halbe Wahrheit.
Meine Chefin Veronika führte mich am ersten Tag zum Frühstück aus, wobei sie mich mit allerlei Daten und Fakten zutextete. Schließlich ging's ins Büro, das gleich am Fuße der Hauptstraße Kievs, des KreÅ¡Ä?atyk, liegt. Die KollegInnenschaft besteht hauptsächlich aus Mädls bzw. Damen und 3 Männern. Zu meinem Glück sind es überwiegend UkrainerInnen, was bedeutet, dass mir alle Möglichkeiten zur Sprachpraxis geboten sind!
Meine Aufgaben bestehen bisher darin Recherchen anzustellen, Workshopkataloge und eine Marktanalyse zu erstellen. So google ich etwa Information über den ukrainischen Kunstmäzen Viktor PinÄ?uk, fertige das Layout der Broschüre für die am Workshop in Doneck (wo ich auch mit hinfahren darf. Jippi!) teilnehmenden Firmen an und blättere „Frauen“-Zeitschriften auf Werbung oder Artikel über Österreich durch. Veronika organisiert indes Treffen mit den Brüdern KlyÄ?ko oder eine Veranstaltung, an der auch Bill und Hilary teilnehmen werden. Ja, Clinton.
Abends bleiben dann einige Stunden zum Ausspannen. Am Montag ging ich mit der AUA-Praktikantin Marie-Christin auf ein Bier, dienstags war der monatliche ÖsterreicherInnen-Stammtisch angesagt. Unter dem Motto Давай-Lei-lei!/ Dabaj-Lei-lei! (der Organisator ist – oh Wunder! - aus Kärnten) wurde das beste Kostüm des Abends mit einem Flug hin und retour zu einem Ziel der Wahl gekürt. Gewonnen hat der als (sehr folkloristisch) Türke Verkleidete mit dem Schild „Nächster EU-Mitgliedsanwärter“. Ich bezweifle , dass seine Reise in die Türkei geht ...
Während rundherum eifrigst Visitenkarten ausgetauscht wurden und beim AUA-Ukraine-Chef um Gratisflüge gebettelt wurde, unterhielt ich mich mit meinen ukrainischen Kollginnen. Schließlich ging's dann heim um für den nächsten Arbeitstag gewappnet zu sein. Und heute, heute mache ich mir nach all dem Trubel einen gemütlichen Abend in meinem neuen Heim. |
Geschrieben am: 7:56 AM, 20.2.2009 |
Kommentare (0) | Schreibe einen Kommentar | Link |
|
Vodka - pur und kalt, das macht 100 Jahre alt
Der Aufenthalt in Moskau ist zu Ende. Josef befindet sich schon wieder in Österreich, Christian und ich fliegen am Sonntag. Da bleibt nur mehr bittere Tränen zu vergießen und zu sinnen, was wir vermissen werden und was sicherlich nicht.
Einen leeren Platz in unserem Herzen werden haben:
-
weltbeste Metro – 11 Linien, gute Vernetzung, schöne Stationen, Züge alle 2min.
-
Slojki-Standl – Verpflegung in Form von süß oder sauer gefüllten Teigtaschen in fast jeder Unterführung
-
Vodka – nur in Russland pur genießbar!
-
Menschen – besonders die unaufgeforderte Hilfsbereitschaft auf der Straße ist beeindruckend
-
Reden, wie man will, denn es versteht einen sowieso keiner
-
Russische Köstlichkeiten, wie Ikra, Cyrki, Kvas und Kefir
-
ein gewisser von uns gepflegter Lifestyle
-
unbegrenzte Möglichkeiten in einer überdimensionalen Stadt
-
24/7 alles einkaufen
-
lustige Abende im Wohnheim

- ein letztes Gruppenphoto, mit den zu Verabschiedenden und den zu Begrüßenden -
Was uns sicher nicht abgehen wird, sind folgende Dinge:
-
Menschenmassen – Menschen überall, die sich durch zu kleine Straßen, Türen usw. drängen
-
Schlangen – völlig sinnlose Schlangen von Menschen vor jedem Schalter
-
Angsteinflößende OMONs und Vertreter der Polizei
-
das hierarchische Gesellschaftssystem in Form Oxraniki, dezhurnie, Beamten usw., die einen zur Schnecke machen oder es zumindest könnten
-
völlige Überteuerung so gut wie aller Artikel
-
übersüßter, in Fabriken hergestellter Wein
-
Face-Controll in Lokalen – prinzipiell dummes System, das besonders zerschmetternd ist, wenn man nicht ins Lokal reinkommt
-
schlechte Musik in Discotheken
-
Sanitäre Einrichtungen – streckenweise ein Gräuel
-
Zapfenstreich – heimkommen um 1:00 oder auf der Straße schlafen? Wir sind nicht mehr 12!
Und zum Abschluss noch ein Liedchen … http://de.youtube.com/watch?v=v1wG9g1wjSA
|
Geschrieben am: 10:00 AM, 31.1.2009 |
Kommentare (3) | Schreibe einen Kommentar | Link |
|
Ehrenbesuche
Ein letzter Ehrenbesuch stand mir hier in Moskau noch bevor. Visite bei Vladimir Il'iè Uljanov Lenin am Roten Platz.
Das heutige Mausoleum wurde 1930 errichtet, davor war Lenin sechs Jahre lang in einem hölzernen Mausoleum beigesetzt. Obwohl der Revolutionsführer Lenin vor seinem Tod verfügte, dass kein Personenkult um ihn betrieben werden dürfe, widersetzte sich Stalin diesem Wunsch und machte Lenin's Bestattung im Jahre 1924 zu einem Staatsereignis.
Heute liegt Lenin in einem rot beleuchteten auf 7°C gekühlten panzergläsernen Sarg. Rund herum, in einem Sicherheitsabstand und durch eine hüfthohe granitene Wand getrennt, schreiten BesucherInnen vorbei. Wer zu lange schaut, es wagen würde ein Photo zu machen oder einfach nicht ehrwürdig genug dreinschaut, wird von den Wache stehenden Milizionären geschimpft. Lenin selbst liegt entspannt und mit geschlossenen Augen auf Seide gebettet.

- Das Leninmausoleum am Roten Platz. Dahinter der Kreml' -
Auch heute besuchen sowohl TouristInnen, als auch RussInnen das Mausoleum. In der Sovjetunion hatte es zweifelsohne die größere Bedeutung, diente als die größte Sehenswürdigkeit im Lande und als Symbol des prosperierenden kommunistischen Staates. Militärparaden zogen an den Füßen Lenins vorbei, Reden wurden an seiner Seite gehalten. Nach seinem Tod im Jahre 1953 lag auch Stalin einige Jahre lang im Mausoleum. Im Zuge der Entstalinisierung unter Chrušèov wurde Stalin's Leichnam von der Seite Lenins entfernt und hinter dem Mausoleum begraben.
Interessant zu erwähnen ist, dass bis 1989, bis zu Zeiten der glásnost' (übersetzt: Öffentlichkeit bzw. politisches Programm „Glasnost'“), angenommen wurde der Leichnam wäre optimal einbalsamiert worden. Dass sich ein Team von WissenschafterInnen von Anfang an um Pflege und Erhalt des Leichnams kümmerten, war nicht bekannt. Während des Bestehens der Sowjetunion gab es eine Reihe von spezialisierten Laboren, die sich, staatlich finanziert, ausschließlich um die Erhaltung von Lenins Körper kümmerten. Seit 1991 werden die Kosten, etwa 1,5 Millionen US Dollar im Jahr, von einem privaten Fonds getragen.
|
Geschrieben am: 2:06 PM, 30.1.2009 |
Kommentare (0) | Schreibe einen Kommentar | Link |
|
|