| Russland |
Bilder von Suzdal'Nun auch im Netz sind die Bilder von Suzdal'. Zu bestaunen auf:
http://picasaweb.google.com/snokja
- 2.12.2008 - Kommentare {0} - Schreibe einen KommentarSpaziergänge durch mud city - Suzdal' IIErstes Ziel in Suzdal' war die billigste Herberge, die Emelies Reiseführer angab. Das Hotel befand sich, wie könnte es anders sein, mitten in einem alten Kloster. Die Zimmer waren daher mit Ausblick auf die hauseigene Kirche. Kaum im Hotel angekommen, schwang die Hotelrestaurantbesitzerin die Werbetrommel für ihre Küche. Dem Instinkt für das Geschäft folgend, hat die Besitzerin ganz richtig gewittert, dass wir ausgehungert und nicht wählerisch waren und sofort in ihr Lokal einfallen würden. Nach Borschtsch und Pelmeny ging's aber dann gestärkt stadteinwärts. Kirche links, Kloster rechts, Kirche rechts, Kloster links - so stapften wir durch Suzdal'. Wir kamen vorbei an Ziehharmonikaspielern, die die Fröhlichkeit des Liedes an die Menge des erhaltenen Geldes anpassten, an Pferden, deren Rücken gegen Geld zum Ritt angeboten worden. Vorbei an Babuschkas, die Tee, Kaffee und Samogon, also selbstgebrannten Schnaps, anboten und an StandlerInnen, deren Tische sich unter der Last von Socken, Pelzkappen, Holzschachteln und Holzsspielzeug bogen. All das ließ uns aber relativ unbeeindruckt. Stattdessen widmeten wir unsere Aufmerksamkeit völlig den Ikonen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, bestaunten die Reliefe an Kirchenwänden, sowie deren goldglänzenden Ikonostase. Die frühe Dunkelheit (Dämmerung um 16:00) machte das Stadtschlendern etwas schwierig, da wir bei mangelnder Straßenbeleuchtung Schlammpfützen von Asphalt nur nachträglich auseinanderhalten konnten. Aus diesem Grund erhielt Suzdal' von den "Quebecoisen" den Beinamen mud city.
- Ikonostas -
Völlig erledigt, mit dicken Schlammabsätzen an unseren Schuhen, kehrten wir abends ins Hotel zurück und suchten uns anschließend ein Lokal zum Abendessen. Die Wahl fiel auf ein recht schickes Restaurant mit Livemusik. Als wir 9 dort einfielen, verließen die übrigen Gäste bald das Lokal - das kann aber vielmehr an der Livemusik gelegen haben, als an uns. Die Live Band, bestehend aus einem Keyboard Spieler und einer Sängerin, trällerte fröhlich in Plätscher-Fahrstuhl-Manier Popschnulzen aus den 80ern und 90ern. Darunter wurden ein paar russische Klassiker gemischt. Mit viel Pathos, aber gedämpfter Leidenschaft - man will die Gäste ja nicht beim Essen stören - wurden wir bespielt. Am glücklichsten machte die Band uns aber, als sie Pause machten. Dann waren die bassunterlegten Diskoklassiker aus den 80ern und 90ern dran. Russland in Reinkultur. Vollgemampft ging's ins Hotel zum Abendchillout. Von den Unmengen an Alkohol, der vorsorglich für den Abend eingekauft wurde, wurde allerdings nur ein Bruchteil vernichtet, denn bald schon überkam uns alle der wohlverdiente Schlaf.
- Völlig erledigt. V.l.n.r.: Marie-Michelle, Joelle, Eric -
Am Sonntag mussten wir bereits um 11:00 vormittags den Bus nach Moskau nehmen, daher blieb nur Zeit für einen letzten kleinen Rundgang durch die Stadt. Dieser führte uns zum Freilichtmuseum, in dem alte Holzhäuser aus dem XVIII. Jahrhundert, die damalige Landwirtschaft (besonders aufregend im Winter!) und eine alte Holzkirche zu finden sind. Leider waren die Häuser geschlossen und die Kirche durch einen hohen Zaun versperrt, da sie gerade repariert wird. Am späten Nachmittag kamen wir dann wieder in Moskau an. Eines war auffällig - je näher man nach Moskau kommt, desto schneller wird die Zeit, desto seriöser die Gesichter. Es ist also gut mal aus der Stadt zu kommen. Besonders da alle RussInnen über Moskau sagen, dass es nicht Russland ist.
- 2.12.2008 - Kommentare {0} - Schreibe einen KommentarTausend & eine Kirche - Suzdal' IDieses Wochenende verbrachten wir – wider allen Erwartungen - nicht im Krizis Žanra, sondern in Suzdal', einer der 16 altrussischen Städte rund um Moskau, genannt der Goldene Ring. Am Samstag morgen ging es noch in Dunkelheit zum Busbahnhof um den Bus um 8:10 nach Suzdal' zu erreichen. Insgesamt waren wir 9 Leute: die KanadierInnen Marie-Michelle, Joelle, Emelie, Nikolas, Eric, Guillaume, der Amerikaner Robert, sowie Christian und ich. Die 6 Stunden im Bus wurden hauptsächlich schlafend verbracht. Erst nach 5 Stunden, bei der zweiten halbstündigen Pause in Vladimir, regten sich die Lebensgeister und der Bus wurde verlassen um Zuckerwasser mit Tee- oder Kaffeegeschmack zu genießen. Der sehr sovjetisch anmutende Busbahnhof wurde für seine umliegenden gold glänzenden Kuppeln bewundert (auch Vladimir gehört zum Goldenen Ring) und die Busse auf den größten ungefilterten Abgasausstoß untersucht. Wie gute RussInnen deckten wir uns noch mit Snacks ein, bevor die Reise weiterging. Nach einer guten halben Stunde wurden wir dann vom Buschauffeur mitten auf der Straße aus dem Bus geworfen, da wir angeblich schon Suzdal' erreicht hatten. Etwas verwirrt schauten wir uns mal um, erkannten nur weite Felder und mitten darin einen noch heruntergekommeneren Busbahnhof als jener in Vladimir.
- v.l.n.r.: Christian, Marie-Michelle, Joelle, Nik, Eric, Robert & Emelie am "Busbahnhof" von Suzdal' -
Von der Hoffnung getrieben nicht ausgesetzt worden zu sein, interpretierten wir den Bahnhof als den von Suzdal' und brachen in die Richtung auf, in der es am wahrscheinlichsten war Zivilisation zu finden. Schließlich erreichten wir nach einer halben Stunde den Hauptplatz von Suzdal'. Im XI. Jahrhundert war die Stadt Suzdal' nicht zuletzt wegen ihrer Rolle als Hauptstadt des Rostov-Suzdal'-Fürstentums und als Handels- und Handwerkszentrum eine der bedeutendsten Städte des Kiever Reiches. Geplündert und verbrannt unter den Mongolen, wurde die Stadt im 15. Jahrhundert Teil des Moskauer Reichs. Sie hatte zwar an politischer Bedeutung verloren, allerdings nicht an religiöser und kultureller. Vom XVI. bis zum XVIII. Jhdt. wurde in Suzdal' intensiv gebaut und es entstanden die bis heute erhaltenen Klöster und Kirchen. Die Bevölkerung von Suzdal' wurde im Laufe der Jahrhunderte von Feuern und Epidemien gebeutelt. Kaum ein großes historisches Ereignis der russischen Geschichte war nicht mit Suzdal' verbunden. Dennoch hatte das Städtchen Glück im Unglück, wurde nicht einmal zerstört und konnte sich immer wieder aufrappeln.
- Der Kreml' im Hintergrund der Ioanna Podtetschi Kirche -
Mit der Erkenntnis der Kommission für Kunstgedenkstätten und Antiquitäten im Jahre 1923, dass ganz Suzdal' ein einziges großes Museum ist, dessen Erhalt Kunst und Wissenschaft diktieren, erlangte die Stadt den Rang eines beliebten Ausflugsziels. Höhepunkt des touristischen Interesses waren die 70er des XX. Jahrhunderts – Schwärme von TouristInnen suchten die auf 9 km2 gelegenen 200 Kulturdenkmäler und architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt auf. 1992 wurden Suzdal''s Kreml', das Pokrovskij und Spaso-Evfimiev Kloster, sowie die Kirche Boris und Gleb schließlich in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.
- 30.11.2008 - Kommentare {2} - Schreibe einen KommentarPäivää!Montag war wieder Uni angesagt. Nach Grammatik und Literatur ist aber zum Glück immer noch Zeit um etwas zu unternehmen. So bummelten Maija und ich durch die Stadt, bis wir schließlich in einem gemütlichen Café landeten um dort zu lernen und Hausübung zu machen. Nachdem das Russisch perfektioniert wurde, widmeten wir uns wieder mal meinem Finnisch. Ein weiterer wichtiger Satz, ohne dessen Kenntnis ein Überleben in Finnland unmöglich ist: Päivää! Minä haluan poronlihaa muusilla puolukkahillolla. Also: Guten Tag! Ich möchte Rentiergeschnetzeltes mit Püree und Preiselbeermarmelade.
- 25.11.2008 - Kommentare {6} - Schreibe einen KommentarDas WochenendeDas Wochenende fing mit der Reise zu Auchan an. Wider Erwarten quälten wir uns durch Menschenmassen in der Metro, harrten des Weiterkommens im Stau stadtauswärts und chauffierten unser Einkaufswagerl durch die überfüllten Korridore des Riesengeschäfts. Diesmal war merkwürdigerweise mehr los als sonst. Gleich nach dem Eingang zu Ašan kommt einem schon jeglicher Weihnachtskitsch entgegen – türkise Plastiktannen, kleine Plastikschneemänner und -weihnachtsmänner, sowie Neujahrskühe. Was die Idee hinter den Neujahrskühen ist, hab ich noch nicht heraus gefunden. Aber ich werde mich auf jeden Fall damit eindecken. Freitag Abend stand ein gemeinsames Dinner mit Maija, Ally und Susanne am Programm – Hauptspeise Tortilla, Nachspeise Yellow Almond (ein Cocktail aus Amaretto, Vodka, Orangen- und Ananassaft). Einige Cocktails später fing die allwöchenendliche Diskussion darüber an, wohin wir fortgehen. Maija siegte wie immer und so brachen Maija, Susanne, Christian und ich ins Krizis Žanra auf. Später kamen dann noch unsere „Quebecoise-n“, begleitet von ihren amerikanischen Verehrern dazu und die Nacht wurde fortgetanzt. Gegen 6:00 morgens ging's kraftlos und mit schweren Gliedern, dafür mit Geldtasche nach Hause. - Schneefall vor dem historischen Museum -
Der Samstag war natürlich dementsprechend faul. Die Höchstleistung war ein Shoppingrundgang auf der Suche nach einer neuen Handtasche für mich. Die Alte hat sich in ihre Einzelteile aufgelöst. Zudem bummelten Maija und ich wieder einmal durch Izmajlovskij Rynok – ein Markt, voll von Matreški (die Puppe in der Puppe in der Puppe in der Puppe in der Puppe ...), Schals, Pelzmützen, Sovjetansteckern usw. für Touristen konzipiert. Rund um diesen Markt ist noch ein weiterer Markt für die RussInnen, in dem Kleidung, Wintermäntel, Schuhe, Taschen, Schmuck usw. usf. feil geboten werden. Sonntag ging's dann nach einem gemütlichen Vormittag ins Buchgeschäft. Christian und ich durchstöberten die unzähligen Regale im Dom knigi/ Haus des Buches und schafften es fast nicht mehr raus. Ich fand endlich Postkarten – wenn jemand glaubt, es wäre leicht hier annehmbare Postkarten zu finden, so täuscht er sich. Außerdem dachte ich mir, dass ein Stadtplan nicht schaden könnte. Der wäre gleich zu Beginn wahrscheinlich nützlicher gewesen, aber bei meinem Talent mich in dieser Stadt zu Verirren brauche ich ihn sicher wieder einmal. Abends gingen Maija, Christian und ich noch gemütlich auf einen Tee und eine Wasserpfeife ins Café Kal'jan. Ziemlich spät fielen wir dann ins Bett um halbwegs fit für die kommende Woche zu sein.
- 25.11.2008 - Kommentare {2} - Schreibe einen KommentarSchneeFür's Protokoll: Mittwoch, 19.11.08, 18:30 Moskauer Ortszeit - der erste Schnee!!!
- 19.11.2008 - Kommentare {3} - Schreibe einen KommentarPhotoalbumInspiriert durch die Photoalben von Astrid und Sabrina in Petersburg, hab ich nun auch ein öffentlich zugängliches Photoalbum erstellt. Man folge dem Link
http://picasaweb.google.com/snokja
- 19.11.2008 - Kommentare {1} - Schreibe einen KommentarMonday, bloody Monday
Leider, wie jede Woche wieder, kam nach dem Wochenende wieder dieser unangenehme Montag. Am Programm stehen um 10:00 Grammatik und anschließend Literatur. In Literatur werden wir gerade durch Èechov gequält. Während unsere Professorin bis jetzt kaum Motivation zeigte und sehr oberflächliche Fragen stellte, dürften wir nun ihren Lieblingsautor durchnehmen, denn plötzlich wird sie detailliert und bohrt nach. Aber auch wenn sie nachfragt, so dürfen Josef, Christian und ich immer noch die Alleinunterhalter in den 1 ½ Stunden Unterricht spielen. Nach dem Unterricht zog ich mit Maija los. Es ging wiedermal ins CD Geschäft – dieses Mal schlug ich zu und kaufte mir das Erstlingswerk von Does it offend you, yeah?. Anschließend gingen wir noch auf einen Kaffee. Maija hat ein Café gefunden, in dem der Service überraschenderweise freundlich ist und sogar eine Unterhaltung anfängt, die über „Nein, das haben wir nicht.“ hinausgeht. Erfrischend ... Der Dienstag Morgen brachte unsere Putzfrau, die kam um unsere Fensterrahmen abzudichten. Wie ich bereits erwähnt habe, zog es die Kälte durch die Fensterschlitze hinein, sodass ich beim Arbeiten immer kalte Hände hatte. Mit einem Kübel Leim und einem Pack Papierstreifen bewaffnet, setzte unsere liebe Putzfrau meinem Leiden ein Ende. In Literatur erzählten wir der Professorin 1 ½ Stunden lang den Inhalt einer Èechov Kurzgeschichte, während sie immer wieder in Sekundenschlaf fiel. Der Abend fiel dann zum Glück actionreicher aus, als ich mit Joelle, Christian und Arzen im Kino Kvant Miloserdija/ Quantum of Solice, sprich den neuen Bond anschaute. Arzen, Christian's armenischer Zimmerkollege, lud uns vor dem Kino noch auf einen Kaffee ein und erklärte uns, dass Cher, Peter Gabriel, Charles Aznavour und viele andere KünstlerInnen ursprünglich aus Armenien kommen. Außerdem gehört ganz Las Vegas einem Armenier. Nicht zu vergessen, dass sowieso alles, was aus Armenien kommt, das Beste ist und alle Türken diebisch, faul und was einem noch so alles einfällt. Ein Vorurteil, das wohl auch aus dem Genozid der Türken an den Armeniern herrührt. - 19.11.2008 - Kommentare {0} - Schreibe einen KommentarTomorrow is a long timeDas Wochenende war wie immer sehr ausgefüllt – so wie es sein soll! Am Freitag erstand ich in unser unieigenen Buchgeschäft zwei Bücher, nämlich Gončarov's Oblomov und einen Geschichtenband mit Titel Psichopaty von Čechov. Jetzt brauche ich nur mehr Zeit zum Lesen. Weiter habe ich einige kleine Postkarten mit Propaganda gekauft, darunter zwei aus dem Jahre 1931 und 1923 mit Aufschrift Долой кухонное рабство!/ Nieder mit der Küchen-Knechtschaft! und Женщина! Учись грамоте!/ Frau! Lerne lesen und schreiben! Die Dritte aus dem Jahre 2005 (!) zeichnet sich nicht nur durch krasses Farbdesign aus, sondern auch durch die Botschaft Кормить и хвалить! Добрый совет невестам и женам/ Ernähren und loben! Ein guter Rat für Braut und Gattin. Tja, so ändern sich die Zeiten! Abends war dann eine Bloody Mary Party mit Maija und Sarah angesagt. Mit ein paar Bloody Mary wollten wir uns in Stimmung zum Fortgehen bringen, aber irgendwie blieben wir dann doch lieber im Studentenheim, mixten uns abwechselnd eine neue Runde Bloody Mary und gingen in die Küche, wo ein Teil unserer Amis eine Brotparty veranstaltete. Zum Glück fiel auch für uns etwas vom French Toast, vom Brotsalat und vom Breadpudding (der amerikanische Scheiterhaufen) ab. Satt und angetrunken schauten Maija und ich noch Coffee & Cigarettes und fielen schließlich um 2:00 ins Bett. Am Samstag zog ich mit Christian durch die Stadt. Zuerst wollten wir uns einen Park ansehen, in dem es anscheinend irgendwo eine nette Kirche, einen ägyptischen Pavillon usw. geben sollte. Nach ein paar erfolglosen Runden im Park änderten wir die Pläne und fuhren zur alten Tretjakosvkij Galerie um etwas für unsere Kunstkenntnisse zu tun. Die Schlange vor der Galerie, sowie der eisige Wind schreckten uns allerdings ab und so wanderten wir weiter zu einer alten Kirche, die wir dann näher begutachteten.
- Храм Воскесения Христова/ Christi-Auferstehungskirche -
Um unseren samstäglichen Misserfolg bzgl. kultureller Erleuchtung zu kompensieren, fuhren wir schlussendlich zu einem CD und DVD Geschäft, wo sich Christian mit russischen Action Filmen eindeckte. Abends gingen Maija und ich gediegen auf ein Bier und tauschten den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Der Sonntag wurde von Maija und mir mit einem gemeinsamen Frühstück begonnen. Wir schlemmten French Toast mit Honig und Fruchtsalat. Hochmotiviert durch Sonnenschein und die angenehme Entspanntheit, die so ein Sonntag auslöst, entschloss ich mich dann doch den Moskauer Zoo unter die Lupe zu nehmen. Eingesperrte Tiere sind zwar nicht mein Fall, aber schließlich muss hier auch etwas Feldforschung betrieben werden – wie reagieren wohl pelzbehutete und pelzbemäntelte MoskauerInnen auf das lebendige Äquivalent ihrer Kleidung? Zuerst mal ist der Moskauer Zoo hinsichtlich der Käfige und Lebensumstände nicht so schrecklich, wie ich angenommen habe. Erstes Vorurteil zerstreut. Weiße Tiger, Jaguare und Pumas haben relativ viel Platz um ihre angefressenen Bäuche bei einem nachmittäglichen Schläfchen auszubreiten. Wie immer, wenn RussenInnen Ausflüge oder Reisen machen, nehmen sie sich jede Menge Snacks mit, die dann verputzt werden. Popcorn und Obst wurden generös mit allen Tieren geteilt, sodass die Giraffe zu ihrer sonst so gesunden Nahrung etwas Popcorn bekam und der Bär Kunststückchen aufführte um von seinen BesucherInnen Äpfel abzuschnorren. Meinen Beobachtungen zufolge, kann man also nicht behaupten, dass RussInnen nicht gerne teilen. - Achtung! Die Tiere sind gefährlich! -
Dass eine moralische Verbindung zwischen den eigenen Mänteln und Mützen und den besuchten Tieren gezogen wird, ließ sich allerdings nicht ausmachen. Aber wer möchte schon von Gewissensbissen geplagt werden, wenn er sich bei Wind und Wetter wohlig in seinen Pelzmantel kuscheln kann. Das Wochenende fand seinen Ausklang in einem italienischen Restaurant, wo wir endlich die lang ersehnte Pizza verdrückten. Mit noch einer halben Pizza am Teller schmiedeten Christian, Maija und ich bereits Pläne für ein selbstgekochtes Festmahl mit Lasagne und Tiramisu. Nach der Pizza ging's dann noch ins Café Kaljan auf einen leckeren Tee und Gespräche über Tattoos, Zukunftspläne und alles, was uns noch in den Sinn kam.
P.S. Hier ein besonderer Link ... ;-) http://www.moscowzoo.ru/camera.asp - 18.11.2008 - Kommentare {3} - Schreibe einen KommentarSchwule Ägypter, Čajkovskij & Fußball
Der Anfang der Woche brachte so allerlei, darunter auch schwule Ägypter, Čajkovskij und Fußball. Gutherzig und willensschwach, wie wir sind – also eigentlich Josef und ich – ließen wir uns montags von unserer Literatur Lady dazu breittreten dienstags ins Theater zu gehen. An sich nichts schlechtes, allerdings waren wir nicht wirklich motiviert und daher konnten wir uns abends dann auch nicht aufraffen uns auf die Suche nach jenem kleinen Theater zu machen, bei dem unsere Professorin uns (und auch anderen) Karten reserviert hatte. Stattdessen kamen wir einer Empfehlung von Maija nach und gingen in einem endlich mal gut sortierten Geschäft CDs shoppen. Ich wurde etwas enttäuscht, da meine präferierten Bands zwar angeschrieben waren, aber keine CDs eingeordnet waren. Dafür stieg Josef sofort in den CD Himmel auf.
Im Wohnheim erwartete ein frisch geduschter, mit einem Rapidlaiberl aufgeputzer Christian, der sich bereits physisch und psychisch auf das 287. Derby einstellte, unsere Bierlieferung. Nach einem kleinen Schachspiel widmeten sich die Burschen dann dem Match Rapid Wien – Austria Salzburg. Zu meiner Rettung eilte Maija – der holde Engel – und verschleppte mich auf einen wirklich leckeren Tee in unser Chillout-Lokal Café Kaljan. Wie wir zuvor schon herausgefunden haben, ist dort nicht nur der Tee lecker, sondern auch das Bier und die Šašlyki. Die Wasserpfeifen duften, auf den riesen Flat-bildschirmen laufen polnische Musikvideos, während im Lokal selber orientalischer Pop zu hören ist. Und das schwule Päarchen, die wohl die Besitzer sind, sorgen für gute Stimmung.
Mittwoch brachte die üblichen Kurse an der Uni. Abgerundet wurde der Tag mit einem Spaziergang durch die Stadt (ohne sich zu Verirren!), vorbei am vielgelobten Gorki Haus, das sich durch Jugendstilarchitektur auszeichnen soll. Leider war der Kobel von oben bis unten in Gerüste eingekleidet, denn ... wer will raten ... es war Remont! Von außen konnte man daher Ansätze von Jugendstil erkennen, allerdings sehr plumpen. Innen konnte ich ebenso nichts erkennen, da die Zeit fehlte einen ordentlichen Rundgang zu machen. So erhaschte ich nur einen kurzen Blick auf eine unspektakuläre Stiege.
Abends ging ich dann wieder in die Oper, da ich ein Ticket bekommenhatte , das eine der Studentinnen nicht wahrnehmen konnte. So erfreute ich mich Čajkovskij's Evgenij Onegin/ Евгений Онегин. Die Musik war wunderschön, die SängerInnen allesamt sehr gut – allerdings hätte bei einer 2 ½ Stunden Oper eine Pause nicht geschadet. Das dürften sich wohl einige gedacht haben, die rund um mich ab der zweiten Stunde immer wieder eingenickt sind. - 13.11.2008 - Kommentare {2} - Schreibe einen KommentarBrave StudentInnen
Das letzte Wochenende verlief zur Abwechslung einmal sehr ruhig. Meine Zimmerkollegin Kirsten flog mit einigen anderen AmerikanerInnen gen Petersburg aus, sodass ich regelrecht in die nun ins Heim eingekehrte Ruhe gesogen wurde.
Wochentags widmeten Christian und ich uns völlig „dem Paten“ und arbeiteten uns bis zum Wochenende bis einschließlich Teil II vor. Seither habe ich irgendwie das Verlangen nach Pizza und Tiramisu. Am Samstag Abend ging's nach einem Stadtspaziergang, bei dem ich mich wieder mal etwas verlief, ins Bol'šoj Teatr um Tosca anzusehen. Eingetlich ist es ja nicht wirklich das Bol'šoj Teatr, sondern das Ersatzhaus gleich daneben. Das echte Bol'šoj Teatr wird gerade, wen überrascht's, renoviert. Jedenfalls kann man um lächerliche 20 Rubel, sprich 60 €Cent, an der Abendkassa Studententickets erstehen – Bedingung dafür ist frühes Kommen um sich in der Schlange vor dem Theater anzustellen, sowie gute Ellenbogentechnik um schnell zu Kassa 4 zu gelangen, wenn die Türen geöffnet werden und die Schlange sich plötzlich zu einer großen drängelnden Menschentraube verwandelt. Wir waren erfolgreich und ergatterten Tickets. Zwar, wie man sich denken kann, bekommt man Plätze mit äußerst eingeschränkter Sicht, allerdings geht’s bei einer Oper ja eh mehr ums Hören als ums Sehen. Zudem war die mittelalterliche pummelige Tosca sowieso nicht gerade das, was ich mir rein visuell von einer Tosca erwartet hatte ... Am Sonntag widmeten wir uns vor allem unserem 3-4 seitigen Aufsatz, den wir für Literatur schreiben mussten, und der Lektüre, die wir bis Montag auf hatten. Wenn das nicht brave StudentInnen sind ... - Die Stiegen im Ersatzhaus des Bol'šoj Teatrs - - 13.11.2008 - Kommentare {0} - Schreibe einen KommentarI'm a spyHeute haben wir strahlend blauen Himmel, die Sonne scheint. Und es ist ordentlich kalt. Beim Fenster zieht die kalte Luft rein, sodass ich beim Internetsurfen immer kalte Finger hab. Wie dem auch sei, nachdem uns die ewigen Remonts, sprich Reparaturen, in diesem Lande wieder mal einen Strich durch die Rechnung machen und wir wegen Remont im Restaurant nicht auf den Fernsehturm rauf können, hier ein link zu Kameras überall verteilt in Moskau:
http://www.tvtower.ru/webcamera/Otkrytaja_smotrovaja_ploshhadka_253_m_Kamera_2/translations/ - 8.11.2008 - Kommentare {2} - Schreibe einen KommentarCrashkurs im Schnelltrinken
Nach einem bereits angsteinflößenden Motivationstief, das das Fortgehen angeht, wagten Maija und ich uns am Montag wieder mal ins Nachtleben. Am Programm stand eine Bar namens Papa's Place, wo es von 19:00-20:00 vier Getränke zum Preis von einem, von 20:00 bis 21:00 drei zum Preis von einem usw. gibt, bis sich die Schleife wiederholt. Wir wurden schon gewarnt, dass es eine recht laute Bar ist, allerdings kam es schlimmer, als nur laut. Leider war kein Platz mehr frei außer an der Tanzfläche, wo wir in voller Lautstärke mit bassunterlegten billigen Popnummern beschallt wurden. So nuckelten wir etwas grummelnd an unseren Getränken, während wir den RussInnen zusahen als sie sich aus tiefstem Herzen der Musik hingaben. Dieses Völkchen ist manchmal wirklich wunderlich ... Schließlich holten wir uns in der Happyhour 4:1 noch eine Runde, warteten auf unsere Quebecerinnen, die leider nicht auftauchten und beschlossen dann zur Rettung unserer eigenen musikalischen Seele zu einer „The Cure Party“ in einem Club namens „Strangel“ (steht für Strange Angel ... ja, naja, was soll man dazu sagen?!) zu fahren. Der Club war etwas außerhalb gelegen, ca. 6km von der Metrostation entfernt, von der wir uns dann zu Fuß aufmachten. Nach Kilometer 1 gaben wir auf und nahmen uns ein Taxi. Im Club angekommen, erkannten wir, dass sich The Cure hier zu Lande keiner großen Beliebtheit erfreute – vereinzelt hopsten ein paar in Latex gehüllte Damen und scheinbar gerade von der Arbeit kommende Herrschaften auf der Tanzfläche herum. Ich wehrte erfolgreich einen alten Knacker ab, der Gesellschaft junger Damen für sich und seinen Freund suchte. Und schließlich begaben wir uns selber auf die Tanzfläche, wo wir bis 5:00 morgens herumwirbelten. Der DJ erfreute uns mit ein paar Wunschnummern von Sisters of Mercy und Siouxie and the Banshees. Als sich der Club dann langsam leerte, begaben wir uns in einem Einkaufswagerl, zu Fuß und mit der ersten Metro auf den Heimweg.
Der neue Morgen wurde mit einer erfrischenden Dusche, einem Hangoverfrühstück mit Chaèapuri und schließlich mit dem wohlverdienten Schlaf begonnen. - 6.11.2008 - Kommentare {1} - Schreibe einen KommentarKult & KulturDas verlängerte Wochenende brachte uns weiter in die Neue Tretjakov Galerie. Während sich die Alte Tretjakov Galerie Kunstwerken vom Mittelalter bis zum XX.Jhdt. widmet, darunter Ikonen von Andrej Rublev, Portraits Borovikovskijs, sowie Werke Vasnecovs oder Kramskojs, stellt die Neue Werke ab 1900 bis heute aus. Ein ganzer Tag reicht in der Neuen Tretjakov Galerie nicht, denn das Spektrum und die Anzahl der Bilder ist schier unerschöpflich. Ein ganzes Leben reicht wahrscheinlich auch nicht die Bilder aufzunehmen, wenn einem so wie mir das Herz übergeht und man am liebsten dort einziehen möchte. Sprich – ein überaus empfehlenswertes Museum. Übrigens kann ich mich jetzt damit rühmen das Schwarze Quadrat „live“ gesehen zu haben! Wer sich für die Museen und ihre Kunstwerke interessiert, der besuche http://www.tretyakovgallery.ru/ru/
Leider nur auf russisch, soweit ich das gesehen habe. Unter dem folgenden Link kann man sich allerdings durch die Bilder der Galerie klicken: http://www.tretyakovgallery.ru/ru/collection/_show/categories/_id/42 Weiters unternahmen wir einen kleinen Stadtspaziergang auf der Suche nach verschiedenen Kirchen, die möglicherweise hübsch sein könnten. Allerdings verliefen wir uns etwas und kamen in den Stadtteil Moskau City, in dem gerade noch frisch und fröhlich glaseingekleidete Hochhäuser und Shoppingzentren, die aussehen wie Flughäfen, gebaut werden. Ein sehr interessanter Stadtteil Moskaus, der wohl am besten darstellt, was es sein will - eine internationales Zentrum für Business und überflüssiges Geld. Was es allerdings wirklich ist, das lässt sich zum Glück nur in seiner Gesamtheit erfassen. - Moskau City in Bau - - 6.11.2008 - Kommentare {3} - Schreibe einen KommentarFeiertageDer 4.11. ist in Russland ein Feiertag namens "Tag der nationalen Einheit". Putin führte diesen Feiertag wieder ein – etwas, das bei den RussInnen für Verwirrung sorgte, da sie selber nicht so recht wussten, was sie da feiern sollen. Aber am besten nicht lange fragen, sondern einfach das lange Wochenende genießen. Als gute Russisch-StudentInnen taten wir etwas für unsere Kulturkenntnisse und widmeten uns voll und ganz der Sovjetpropaganda. So ging's am Freitag (statt zu Ašan – ja, wir vermissen ihn schon und freuen uns auf morgen!) an einen Ort mit dem vielversprechenden Namen VVC/ ВВЦ oder allrussisches Ausstellungzentrum/ всероссийский выставочный центр. In das Ausstellungszentrum gelangt man durch den Hauptturm, auf dem in 50m Höhe ein gold glänzendes Paar steht, das über ihren Köpfen eine Getreidebündel gen Himmel streckt. Durch das Tor hindurch sieht man schon das Hauptaustellungsgebäude – diesmal werden die Besuchenden von einer Leninstatue begrüßt. - Das Hauptausstellungsgebäude des VVC -
Auf den Erdboden der harten Realität holen einen dafür die heutigen Waren, die dort feil geboten werden: 3D Ikonen und nachgemachter Steinschmuck strahlen mit den verträumten Augen der Kätzchen aus der Katzenausstellung um die Wette. Schlendert man zurück zur Metro, so kommt man am Kosmonautenmuseum vorbei. Dieses gigantische Bauwerk ist wahrscheinlich nur vom All aus auf ein Bild zu bringen. Wirkt aber von unten auch nicht schlecht. Leider ist es noch geschlossen, daher mussten wir uns mit ein paar Bildern und Halsverrenkungen abfinden.
- 6.11.2008 - Kommentare {1} - Schreibe einen KommentarPrädikat: lesenswert!Damit dieser Blog auch einmal etwas wissenschaftliche Qualität bekommt und nicht nur Klatsch & Tratsch aus dem Studentenheim übermittelt, kann ich den lieben Lesenden ein interessantes online-Magazin empfehlen, das sich "kultura. Russland-Kulturanalysen" nennt. An dieser Stelle möchte ich die Ausgabe von Juli 2008 ans Herz legen, die sich ganz Moskau widmet: http://www.kultura-rus.de/kultura_dokumente/ausgaben/deutsch/kultura-2008-03.pdf
Online auf deutsch oder sogar durch ein kostenloses Abo der elektronischen Version kann man sich also ganz leicht russland-bezogen weiterbilden. Sehr empfehlenswert sind auch die politischen Russlandanalysen! Unter http://www.laender-analysen.de/
findet man das gesamte Spektrum der Analysen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in Ostmitteleuropa und der GUS der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde. Sehr empfehlenswert!
Denn nicht vergessen: Женщина! Грамотность залог твоего раскрепощения! (Frau! Die Lese- & Schreibkundigkeit ist Gewähr deiner Emanzipation!) - 29.10.2008 - Kommentare {1} - Schreibe einen KommentarKarten & KulturDer Samstag war äußerst friedlich. Nach einigen Stunden Schlaf, emotionaler Abkühlung über den tragischen Verlust meiner Brieftasche und einem Spaziergang mit Maija quer durchs Zentrum frönten Christian, Ulli, Maija und Ally wiederum dem Kartenspiel Durak. Wir spielen natürlich nicht um Geld (jetzt schon gar nicht, nachdem ich keines mehr hab. Obwohl, so schlecht wie ich spiele, wäre das sowieso eine schlechte Idee ...). Schließlich ging's früh ins Bett. Es galt ja auch ausgeschlafen zu sein für den sonntäglichen Kulturausflug mit Ulli und Christian nach Sergiev Posad/ Сергиев посад.
Sergiev Posad liegt etwa 70km außerhalb von Moskau, ist leicht mit dem Zug zu erreichen und bezeichnet die Stadt, die das dort gelegene Kloster Troice-Sergieva lavra/ Троице-Сергиева лавра umgibt. Die Stadt wuchs ab dem 15.Jahrhundert rund um und mit dem Kloster. Letzteres ist eines der religiösen Zentren des orthodoxen Glaubens (wie auch die Kievo-Pečerska Lavra, also das Kiever Höhlenkloster). Die goldenen Sterne auf den tiefblauen Zwiebeltürmen funkeln mit den goldenen Türmchen um die Wette, daher ist nicht schwer zu erraten, dass das Kloster finanziell schon seit je her gut da steht. Harte Zeiten machte es durch, als es ein gutes Jahr den tatarischen Anstürmen standhalten musste. In guten Zeiten widmeten sich die Klosterbewohner bzw. Klosterbesucher dann der Jagd – und zwar von dem so genannten Ententurm aus, der sich am äußersten Eck der Anlage befindet und früher wahrscheinlich genau auf einen Ententeich ausgerichtet war. Eine weitere Sehenswürdigkeit stellen die Ikonenmalereien der berühmten Ikonenmaler Andrej Rublev und Daniil Černij in der Dreifaltigkeitskathedrale dar. Die konnten wir aber leider nicht bewundern, denn die unendlich lange Schlange vor dem Klostereingang hätte uns wohl den letzten Zug verpassen lassen. So spazierten wir durch und um das Gelände – bewunderten das sovjetische Monument, das den „Helden des Oktobers“ gewidmet ist und direkt als Gegenveranstaltung vor den Mauern des Klosters gelegen ist. Allerdings irritiert das nicht mehr, wenn man schon die „Straße der Roten Armee“ und die „Karl-Marx-Straße“ rund ums Kloster entlang geschlendert ist. Manche Dinge passen einfach nicht zusammen ...
P.S.: Wem die äußert kurzen historischen Ausflüge über die Troice-Sergieva lavra meinerseits nicht reichen, der lese auf der Homepage http://www.stsl.ru/ nach. In allerlei Sprachen und mit wunderschönen Bildern untermalt ist dort alles Wissenswerte nachzulesen. - 28.10.2008 - Kommentare {0} - Schreibe einen KommentarDer Österreichische Botschafter & Frau Dr. Martin VukovichLetzte Woche gerieten alle ÖsterreicherInnen des Studentenheims in helle Aufregung – der Nationalfeiertag nähert sich! Allerdings erregte uns weniger der Fakt, dass irgendwo irgendwer einen staatlichen Feiertag begeht, sondern eher der Umstand, dass man zu einer Gratisverköstigung an der Botschaft eingeladen wird, wenn man sich dort registrieren lässt. Daraufhin strömten grüppchenweise österreichische StudentInnen zum Konsulat um sich eintragen und eine Kopie des Passes machen zu lassen. An sich sowieso eine gute Sache ... Der fülligen Dame hinter dem Glasfenster – von Christian liebevoll Schlachtschiff genannt – gefiel der Einfall der Studierenden nicht sonderlich, sodass wir gleich auf gut wienerisch angemotzt wurden, warum wir erst jetzt alle auftauchen, erstens so kurz vor der Feier am Nationalfeiertag am Freitag (aha, der Nationalfeiertag ist also am 24.Oktober?) und zweitens so spät nach unserer Ankunft. Nach diesem Kulturschock, der uns klar erst machte, dass das gewohnte russische Geschimpfe eigentlich gar nicht so schlimm ist, suchten wir schnell das Weite. Zuhause angekommen, befanden sich schon die Einladungen in unseren elektronischen Postfächern (so viel also zum zusätzlichen Aufwand so kurz vor der Feier...): Der Österreichische Botschafter und Frau Dr. Martin Vukovich beehren sich, Frau Lisa Hessenberger zu einem Empfang anlässlich des österreichischen Nationalfeiertages am 24. Oktober 2008 von 18:00 – 20:00 Uhr einzuladen. Freitag abends pilgerten wir dann, so aufgestylt, wie es unsere rucksacksichere Garderobe zuließ, durchs schicke Botschaftsviertel in die österreichische Botschaft. Plötzlich waren wir umzingelt von Dirndln, Lodenmänteln und seriösen Wirtschaftsmachern mit ihren tupierten Weibchen. Der Botschafter und Fr. Martin Vukovich standen am Eingang zum Festsaal, schüttelten allen die Hände. Helena und ich wurden begrüßt mit: „Ah, noch ein paar Studentinnen. Heute haben wir schon ca. 40 Studenten da!“ Dann drehte er sich um und schüttelte weiter wichtige Hände. Nachdem wir doch etwas enttäuscht von der ganzen Prozedur waren, beschlossen Christian, Ulli (Christians Freundin, die gerade zu Besuch ist), Josef und ich uns erst recht die Wänste vollzuschlagen und auf Kosten der Botschaft vorzuglühen.
Christian, Josef & Ulli: "Schnö, de Häppchen kumman wieder!"
Nach unzähligen Runden von Häppchen, die uns auf Silbertabletts serviert wurden, und einigen Gläschen Weißwein und Gin Tonic wurde der Essens- und Getränkehahn dann gegen halb neun abgedreht (wir wunderten uns schon, wie sie uns raus schmeißen wollen. Das war wirklich die effektivste Lösung!). Daraufhin wurden die Besucher auffallend weniger und auch wir kehrten wieder ins Studentenheim zurück um uns für ... Überraschung! ... Krizis Žanra fertig zu machen. Maija erwartete uns schon mit ukrainischem Vodka, und nach ein einigen Tanz- und Verkleidungseinlagen steuerten wir ins Krizis um die ganze restliche Nacht die verdrückten Häppchen und Stamperl Wein auf der Tanzfläche abzuarbeiten. Josef: Die Folgen ukrainischen Vodkas
Nach einer tollen Nacht und einigen neuen Bekanntschaften musste ich dann in der Metrostation, als ich in der Handtasche nach meinem Ticket suchte, feststellen, dass meine Geldtasche nicht mehr da war. Ich lief gleich zurück ins Krizis, aber dort hatte leider keiner ein Geldbörsel gefunden. Wäre auch zu überraschend gewesen. Daher bin ich sowohl einige tausend Rubel, als auch meine Visa- und Bankomatkarte, meinen Führerschein, E-Card, Studentenausweis, österreichische SIM-Karte und sonstigen Schnickschnack, der sich angesammelt hat, los. Die Karten hab ich natürlich gleich sperren lassen und es scheint, dass noch nichts vom Konto abgehoben wurde. Tja ... das gehört wohl zu jenen Erfahrungen, die man einmal im Leben gemacht haben muss. - 28.10.2008 - Kommentare {2} - Schreibe einen KommentarGlanz & Prunk
Das zur Abwechslung mal sonnige Wetter nutzten wir mittwochs und donnerstags für kleine Ausflüge. Am Mittwoch ging's mit meiner Zimmerkollegin Kirstin und dem amerikanischen Studenten Eric zu der Klosteranlage Kolomenskoe/ Коломенское, das im Süden Moskaus auf einem Hügel an der Moskva gelegen ist. Vasilij III. ließ von 1529 bis 1532 – wahrscheinlich zu Ehren seines Sohnes, dem künftigen „schrecklichen Ivan“ – die berühmte Kirche Voznesenija/ церковь Вознесения bauen. Die Kirche dürfte auch als Wachturm im Falle von tatarischen Angriffen gedient haben: so wurde bei Gefahr ein Signal abgegeben (tagsüber verständlicherweise durch Rauch, nachts mithilfe von Feuer). Sobald die Wächter vom Kirchturm solch ein Signal sahen, gaben sie ihrerseits Warnzeichen, sodass zuletzt am Glockenturm der Kirche Ivan des Großen im Moskauer Kreml' ein Signal erschien und die Stadt über die bevorstehende Gefahr informiert war. Kirche Voznesenija/ церковь Вознесения
Auf dem großen Gelände, das auch Naturschutzgebiet ist, befindet sich weiters die wunderhübsche Kirche der Kazaner Gottesmutter-Ikone/ Церковь Казанской иконы Божией матери. Diese soll sogar einmal die berühmte Kazaner Ikone der Gottesmutter beherbergt haben – daher auch der Name. Schlendert man weiter, so erblickt man auf einem weiteren Hügel in der Ferne das goldfunkelnde Kreuz auf der Kuppel des Vodovzvodnaja Turms/ Водовзводная башня. Durch die Apfelhaine durch erreicht man den Kräutergarten, sowie das alte Imkerhäuschen, bei dem heute noch Honig hergestellt wird. Ein perfekter Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und stahlblauem Himmel. Kirche der Kazaner Gottesmutter-Ikone/ Церковь Казанской иконы Божией матери
Am Abend traf ich mich schließlich mit Maija am Roten Platz um ihn in seiner ganzen Pracht bei Nacht bewundern zu können. Wieder Erwarten zahlt sich ein nächtlicher Besuch auf jeden Fall aus. TouristInnen sind dort zu nächtlichen Zeiten zwar genauso viele zu finden, wie tagsüber, dennoch blinkt und blitzt alles umso mehr in der Nacht. Das freut wohl besonders das Luxuseinkaufszentrum GUM, das sich schon extra tausende von Lämpchen umgehängt hat um seinen Glamourfaktor zu erhöhen. - 25.10.2008 - Kommentare {3} - Schreibe einen KommentarТуда и обратно: Nižnij Novgorod – Teil II
Am Samstag war das Programm etwas voller. Es fing einmal mit einem ausgiebigen Frühstück an – so fängt jedes gute volle Programm an – und zwar zauberte uns Katja so eine Art French Toast. Wie die russische Variante genannt wird, hab ich leider vergessen. Auf jeden Fall wurde Weißbrot in mit Eiern versprudelter Milch getaucht und in der Pfanne herausgebacken. Zu schwarzem Tee wurden die „Toasts“ dann bloß so oder mit Honig oder Marmelade verspeist. Nachdem ich mich wieder halbwegs bewegen konnte, begaben Katja und ich uns in ein Museum um eine kleine Ausstellung von Bildern des GEO Magazins anzuschauen. Mit einem GEO, das als erstes Werbegeschenk verteilt wurde, in der einen Hand und in der anderen eine Kostprobe des Paulig Kaffees, das als zweites Werbegeschenk verteilt wurde, wanderten wir durch überdimensionale Blüten, lustig dreinschauende Elefantenbabies und weite mongolische Ebenen. Der dritte Werber neben GEO und Paulig, nämlich Sony, versteckte sich im letzten Raum der Ausstellung – leider verteilte Sony keine Werbegeschenke, sondern bot uns nur an ein Photo mit einer Sonykamera zu machen. Am Abend ging's dann ins Theater. Das Stück war kein bekanntes – kein Wunder, denn die Handlung konnte man kaum mit einer Lupe erkennen, stattdessen wurden im maritimen Flair der Krim Liebesgeschichten gewälzt und Schlagersongs gepatscht. Die erste Hälfte, ehrlich gestanden, hab ich durch Minutenschlaf etwas verschwitzt. Nur die Kriegsszene, bei der die Sovjets in roter Beleuchtung – passend zur roten Flagge der sovjetischen Macht ausgewählt – gegen die Deutschen kämpfen, blieb mir in Erinnerung. Am Sonntag erholten wir uns von anstrengenden Programm des Samstags, spazierten lediglich durch den Park namens „Schweiz“, genossen von dort die Aussicht über die Oka während ich Katja über das russische Militär, die derzeitige politische Lage und Putin ausquetschte. Tendenz: wenige Parteien, davon kaum welche wählbar. Welche Partei ist egal, Hauptsache jemand bringt Stabilität. Betonung liegt auf jemand, denn Parteiprogramme sind gänzlich unbekannt, lediglich Richtungen kennt man. Das Vertrauen in die gewählte Person/ Partei wird an der Person selber, an ihrer Glaubwürdigkeit und an ihren Leistungen bemessen. Und Putin hat in den Augen vieler Verbesserungen und Stabilität gebracht. So wird es auch Medvedev tun, denn schließlich ist er von Putin ausgewählt worden. Um halb 6 abends setzte ich mich dann wieder in den Zug zurück nach Moskau. Die 5 ½ Stunden Fahrt verbrachte ich lesend und schlafend, sodass die Fahrt recht kurzweilig war. Moskau begrüßte mich schließlich durch folgende Szene, die ich in der Metro beobachten konnte: zwei Frauen, eine lesend, die andere die Augen geschlossen, still und selig vor sich hin lächelnd, sitzen in der Metro. Ein ziemlich betrunkener Mann steigt wankend mit einer Dose Bier in der Hand in die Metro und quetschte sich, nachdem er der Lächelnden noch auf die Füße getreten war, zwischen die beiden Frauen auf die Bank. Der Lächelnden verging das Lächeln nicht, sie rutschte nur beiseite. Der Betrunkene starrte sie daraufhin lang an, starrte woanders hin, starrte sie wieder an und beschloss dann sich breit zu machen und der Lächelnden auf die Pelle zu rücken. Diese ließ sich nicht klein kriegen und schimpfte wie ein Rohrspatz, woraufhin der Betrunkene sich wieder dünn machte. Bei der übernächsten Station stieg er aus, starrte, darauf wartend, dass sich die Türen öffnen, die Lächelnde, die immer noch die Augen geschlossen hatte, lange an und entschloss sich dann, das feige Schwein, ihr beim Aussteigen auf die Brust zu fassen. Добро пожаловать в Москве!
- 20.10.2008 - Kommentare {1} - Schreibe einen Kommentar
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